Stellen Sie sich mal vor, Frodo hätte sich allein auf den Weg zum Schicksalsberg gemacht. Stellen Sie sich vor, er wäre so stur gewesen, seine Bürde ganz allein tragen zu wollen. Und stellen Sie sich vor, Sam wäre weniger hartnäckig gewesen und hätte Frodo allein gehen lassen. Die Geschichte wäre sicher nicht gut ausgegangen – nicht für Frodo, nicht für Sam, nicht für Mittelerde. Freundschaft ist das, was uns stärkt. Sie lässt uns über uns hinauswachsen und Großes schaffen.
Es gibt noch viele weitere Beispiele für Freundschaften, die die Basis für große Erzählungen und große Abenteuer sind. Spontan fallen mir da zum Beispiel ein:
- Star Wars
- Casablanca
- Tim & Struppi
- Herr der Ringe
- Asterix & Obelix
Aber was braucht es, damit Freundschaft diese stärkende Wirkung für uns hat? Worauf bauen wir und was müssen wir dafür tun, dass diese Verbindungen uns durch unser Leben hindurch tragen?
Freundschaft kann eine sehr stabile Verbindung sein: Manche Freundschaft besteht länger als romantische Beziehungen, hält große Entfernungen aus und schützt uns vor der Einsamkeit, auch wenn die Welt sich gegen uns verschworen hat.
Was macht Freundschaft aus?
Wenn ich an Freundschaft denke, dann denke ich zuerst an Martin. Denn Martin und ich sind seit 1994 Freunde. Über die Jahre sind wir gemeinsam gewachsen, haben uns durch Krisen gekämpft und in entscheidenden Situationen unterstützend zueinandergestanden.
Oft haben wir uns auch gegenseitig völlig genervt, denn wir sind grundverschieden. Aber Freundschaften halten das aus. Sie müssen nicht irgendwelche Konventionen und Regeln folgen, sondern wir gestalten sie, weil wir unsere Freunde gewählt haben.
Über die Jahre verflechten sich bestimmte Lebensbereiche, aber wie stark und wie weit, das ist von Verbindung zu Verbindung verschieden. Martin und ich…
- sind seit mehr als 30 Jahren befreundet.
- haben mehr als 15 Jahre zusammengearbeitet.
- sind seit mehr als 15 Jahren auch über meine Patenschaft für seinen Sohn Moritz verbunden.
- sind seit mehr als 10 Jahren vertrauensvolle Geschäftspartner.
Haben wir genügend Zeit fürs Private und zur Pflege der Freundschaft? Nein. Manchmal setzen wir sicher auch die falschen Prioritäten, könnten mehr für die Freundschaft tun. Aber es ist doch so: Wenn bestimmte Dinge passen, dann hält eine Freundschaft auch Phasen aus, in denen man sich nicht sieht oder wenig Raum zum Sprechen ist.
Gemeinsame Werte und Vertrauen als Basis von Freundschaft
Martin ist ein Pfundskerl und ich weiß, was ich an ihm habe, auch wenn er mich manchmal zur Weißglut treibt.
Die Basis stimmt: Wir teilen alle für uns wichtigen grundlegenden Werte. Und wir wissen aus Erfahrung, dass wir uns aufeinander verlassen können.
Wir teilen auch das Verständnis von Freundschaft. Das ist wichtig, denn wenn Martin die Idee hätte, dass wahre Freundschaft bedeute, jede Woche zum Kegeln zu gehen, dann würde das mit uns nicht klappen. Aber wir wissen beide, dass es nicht auf die Quantität ankommt, sondern das Grundverständnis unserer Verbindung.
Mir sind in diesem Zusammenhang drei Dinge besonders wichtig:
- Gegenseitiger Respekt.
- Emotionale Stabilität, keine Launenhaftigkeit.
- Zuverlässigkeit.
Welche Dinge sind Ihre Basis für Freundschaft?
Ich glaube, dass es sehr, sehr wichtig ist, sich über das eigene Verständnis von Verbindung, Beziehung oder Freundschaft Gedanken zu machen. Je klarer wir in unserer eigenen Definition sind, umso klarer können wir kommunizieren und gestalten.
Haben Sie sich schon mal Gedanken gemacht, welche drei Dinge Ihnen besonders wichtig sind in Freundschaften? In welchen Ihrer Verbindungen erleben Sie diese Dinge und geben Sie auch?
Freundschaften sind ein Wechselspiel aus Geben und Nehmen – beidseitig. Nur wenn Vertrauen und Zuverlässigkeit gegeben sind, können wir uns zurücklehnen, können Tiefe in der Verbindung zulassen. So entsteht eine Art von Entspanntheit, die ich für essenziell halte.
Denn wenn ich nicht weiß, ob jemand im Ernstfall wirklich da ist, kann ich mich nicht fallenlassen. Leider ist es oft so, dass wir den Grad an Zuverlässigkeit erst dann beurteilen können, wenn sie akut gebraucht wird. Nur im Ernstfall können wir wirklich zeigen, dass wir da sind: In Krisen-Situationen erleben wir, wie kraftvoll Freundschaft wirklich ist.
Freundschaften entstehen meist aus losen Kontakten, werden zu guten Bekanntschaften, bis sie mehr werden. Freundschaft entwickelt sich. Und lebt.
Freundschaft kann sich verändern – auch zum Schlechten – und wenn sie einseitig wird, kann sie auf Dauer toxisch werden. Freundschaften zu pflegen, bedeutet Arbeit und Wille, wie bei anderen Verbindungen auch. Sie sind nicht selbstverständlich.

