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Authentisch führen, gesund führen

Über 30 Jahre Führungskraft – das schafft man nur, wenn man diese Rolle mit Haltung und ja, auch mit Leidenschaft, ausfüllt. Führung ist einer der grössten Einfluss-Faktoren auf die Mitarbeiter, die Effizienz des Unternehmens und letztlich auf den finanziellen Erfolg. Was aber macht Führung erfolgreich? Und wie schafft man es, nicht zerrieben zu werden zwischen den Erwartungen, den alltäglichen Problemen und den Anforderungen, die der stetige Wandel mit sich bringen?

Ich denke, dass Führung auf «Personal Mastery» aufbaut und im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung zu sehen ist. Besonders in der heutigen Zeit sind Wandlungsfähigkeit und Reaktion einer Führungskraft sowohl auf kurzfristige Ereignisse wie auch langfristige Entwicklungen gefordert.

Was ist Personal Mastery?

Personal Mastery ist ein Begriff aus der Persönlichkeitsentwicklung und dem modernen Management. Im Wesentlichen ist damit die Fähigkeit gemeint, das eigene Leben aktiv zu gestalten und sich kontinuierlich zu verbessern. Die «persönliche Meisterschaft» beschreibt nicht einfach nur, bestimmte Ziele zu erreichen. Es ist vielmehr die Idee, die eigenen Fähigkeiten, Werte und Überzeugungen so weiterzuentwickeln, dass ein erfülltes Leben (und Arbeiten) gelingt.

Das Konzept stammt von Peter M. Senge. Er hat es in seinem Buch „Die fünfte Disziplin: Kunst und Praxis der lernenden Organisation“ schon 1990 beschrieben, aber in den Grundzügen hat es nicht an Aktualität verloren.

Personal Mastery ist nach Senge eine der Disziplinen, die in einer lernenden Organisation essenziell sind. Aber eben nicht als etwas, das man erwirbt und das dann da ist, sondern als etwas, das ständig angepasst und erweitert wird. Antrieb sind nicht externe Ziele, sondern das Streben nach innerem Wachstum und Potenzialentfaltung.

Damit ist die persönliche Meisterschaft eine Art „Metakompetenz“, die sich durch das ganze Leben zieht. Wesentliche Elemente der «Personal Mastery» sind:

  • Selbstführung
  • Selbstreflexion
  • Selbstregulation
  • Vision und Sinnfindung
  • Lernen aus Fehlern und Kritik

Im Grunde geht es also um selbstgesteuerte Persönlichkeitsentwicklung und Selbstführung. Indem ich die eigene Ausrichtung, die Ziele, Werte und Überzeugungen immer wieder reflektiere, finde ich den für mich passenden Weg, ein erfülltes, authentisches Leben zu führen.

Authentizität in der Führung

Für mich ist Authentizität eine der Grundlagen für professionelles Handeln als Führungskraft. Der Begriff wird leider heutzutage inflationär genutzt – vor allem für viele Situationen oder Haltungen, die überhaupt nichts mit Authentizität zu tun haben. Das ist schade, aber deswegen werde ich nicht von dem Begriff abrücken. Was ist also für mich dieses „authentisch“?

Als Führungskraft bin ich mit sehr vielen äusseren Einflüssen konfrontiert. Ich muss mich fragen, ob ich alle gesellschaftlichen Veränderungen und die damit verbundenen Herausforderungen mittragen und umsetzen kann, ohne dass mein Selbst, meine Werte und Überzeugungen verlorengehen. Zunächst ist es also wichtig, sich darüber klar zu werden, was die eigene, die ganz persönliche Authentizität ausmacht. Dafür muss ich wissen:

  • Wofür stehe ich?
  • Wann bin ich authentisch?
  • Wer bin ich als Führungskraft?

Um hier Antworten zu finden und den eigenen Weg nicht nur zu finden, sondern auch ganz bewusst zu gestalten, sind zusätzlich folgende Fragen wichtig:

  • Wo komme ich her?
  • Wie wurde ich Führungskraft?
  • Zu welcher Zeit bin ich ins Berufsleben eingestiegen?

Authentisch führen: Wie die eigene Biografie dabei hilft, Stärken zu erkennen

Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben, daher erzähle ich hier meine eigene Geschichte.

Meine Eltern und auch mein älterer Bruder hatten nicht die Möglichkeit zu studieren. So bekam ich immer wieder den Frust gespiegelt, diese Möglichkeit nicht gehabt zu haben. Aber ich wollte mich nicht abhalten lassen. Daher habe ich meinen eigenen Weg gefunden: Mein Studium habe ich finanziert, indem ich parallel gearbeitet habe. Es war also von Beginn an arbeitsintensiv und ich darf sagen: Ich habe viel gelernt.

In den Beruf bin ich dann kurz nach der Wiedervereinigung eingestiegen – eine wirtschaftlich herausfordernde Zeit und auch hier war die Arbeitsleistung sehr intensiv: Es ging darum in Arbeit zu bleiben, denn Bewerber gab es ja genügend. Ich habe mich durchgebissen. Diese Zeit hat mich geprägt.

Wie bin ich dann Führungskraft geworden? Ich zitiere Hägar den Schrecklichen:

«𝗕𝗲𝗵𝗮𝗿𝗿𝗹𝗶𝗰𝗵𝗸𝗲𝗶𝘁, 𝗚𝗲𝗻𝗶𝗮𝗹𝗶𝘁𝗮̈𝘁 𝘂𝗻𝗱 𝗲𝗶𝗻𝗳𝗮𝗰𝗵 𝗣𝗲𝗰𝗵.»

Nein, Spass beiseite… Wobei ich denke, es spielte auch Zufall mit rein – wie es ja so oft im Leben ist. Bei mir war es so, dass ich nach einigen Jahren Führung kleiner Teams die Aufgabe bekam, die Niederlassung eines internationalen Konzerns ausserhalb Deutschlands aufzubauen.

Authentisch führen kann man lernen

Ich hatte also im kleinen Rahmen Erfahrungen gesammelt, aber eigentlich war ich überhaupt nicht auf die neue Rolle vorbereitet. Ich war autodidaktisch unterwegs.

War ich erfolgreich? Ja, sehr sogar, denn ich war engagiert, konnte gute Mitarbeiter gewinnen (ja, das war damals in planbarer Zeit und planbarem Vorgehen möglich) und hatte Fortune.

Und ich habe mich reingehängt, musste dafür aber auch Abstriche machen: Ganz ehrlich, ein acht-Stunden-Job sieht anders aus. Wir brauchen also nicht von Work-Life-Balance sprechen, da war viel Work und wenig Balance. Aus heutiger Sicht wäre es vielleicht auch mit mehr Life Balance gegangen, aber damals habe ich einfach nicht darauf geachtet.

Warum es aber trotzdem ging und ich eben nicht in Richtung Burnout gegangen bin: Die Arbeit, die Führung, hat Spass gemacht – eine weitere Grundvoraussetzung für nachhaltigen, langfristigen und gesunden Erfolg.

Was war der Vorteil unvorbereitet ins kalte Wasser geworfen zu werden? Ich konnte mich selbst als Führungskraft finden und beweisen, ohne vorgefertigten Schablonen zu folgen. Ich war frei im Tun und daher authentisch.

Man kann also sagen: Ich habe gelernt, Gegenwind auszuhalten, mich durchzubeissen, für meine Ziele loszugehen und hart zu arbeiten. Ich war beharrlich, habe mich auf neue Aufgaben eingelassen, war vielleicht auch ein bisschen mutig. Und letztlich habe ich es geschafft, meinen Humor zu behalten und meinen eigenen Weg zu gehen – da sind wir dann wieder bei der «Personal Mastery».

Authentisch führen: Was bedeutet das?

Schaut man sich meinen Lebensweg an, dann lässt sich die Frage nach der Führungspersönlichkeit ganz gut beantworten. Ich kann sagen: Dafür stehe ich. Das ist mir wichtig. Darüber Klarheit zu haben, ist für mich der Schlüssel zu guter Führung, denn nur so gelingt eben Authentizität.

Wer bin ich also als Führungskraft (Mensch)? Und was bedeutet meine Authentizität für mein Gegenüber? Diese Dinge sind der Kern meiner Arbeit – meine Überzeugungen, also das, wofür ich stehe:

  • Kommunikation.
  • Transparenz und Klarheit.
  • Respekt und Empathie, Fördern und Fordern.
  • In turbulenten Zeiten gehört der Kapitän auf die Brücke.
  • Wohl vorgehen macht wohl folgen. (Spruch über dem Basler Rathaus)

Es geht um gegenseitiges Verhalten. Mir wurden neue Aufgaben zugetraut, mein Potenzial wurde gesehen und gefördert, also ist es völlig logisch, dass ich mit Vertrauen und Menschlichkeit führe. Kommunikation, Offenheit, Transparenz – das sind meine Mittel zu gegenseitigem Respekt. Ich bin mir aber auch völlig darüber im klaren, was es heisst, Verantwortung zu tragen.

Klarheit geht aber nicht nur in die eine Richtung. Sie sagt nicht nur, wofür ich mich einsetze, sondern sie sagt auch, wo meine Grenzen sind. Mit bestimmten Themen und Situationen habe ich heute noch, nach mehr als 30 Jahren Führungserfahrung, meine Schwierigkeiten:

  • Unrealistische Vorstellungen von Bewerbern.
  • Inflationäre «Give-Aways» ohne Gegenleistung.
  • Fehlendes Engagement, wenn es mal schwierig wird.
  • Fehlende Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
  • Die heutige Definition von Work Life Balance, die die Freude und Erfüllung durch die Arbeit oftmals ausser acht lässt.

Es ist in der Führung wichtig, zu wissen, welche Dinge unverhandelbar sind und an welchen Stellen Zugeständnisse gemacht werden können. Auch das gibt Sicherheit – für beide Seiten.

Führung 4.0: Welche Fragen wichtig sind

Authentisch führen heisst gesund führen. Dafür braucht es die Reflexion, die stetige Weiterentwicklung der eigenen Potenziale und Überzeugungen. Wenn wir uns selbst gut kennen und Klarheit über unser Sein haben, dann haben wir sie auch über unsere Art, zu führen. Und dann können wir auch Wünsche formulieren, was wir benötigen, um gut zu führen.

Für mich zum Beispiel war es in der Führung immer wichtig, dass in meiner Arbeit folgende Dinge Platz haben:

  • Ich möchte all das anwenden, wofür ich stehe.
  • Es ist mir ein Anliegen, eine gesunde Firma weiterzuentwickeln.
  • Ich möchte Menschen einen gesunden zukunftssicheren Arbeitsplatz bieten.
  • Mich macht es zufrieden, Menschen in Ihrer Persönlichkeit und Führungskompetenz weiterzuentwickeln.

Führungskräfte sollten sich also nicht nur Fragen nach ihren Zielen stellen, sondern vor allem wissen, wofür sie stehen, woher sie kommen und was ihnen wichtig ist. Neben den Fragen, die ich oben bereits aufgeworfen habe, kann es wichtig sein, zu klären, wo die eigene Authentizität liegt. Denn nur so gelingt es, langfristig gesund zu führen.

Daher werfe ich noch ein paar weitere Fragen auf:

  • Wann fühlen sich Arbeit und Führung authentisch an?
  • Worüber freuen Sie sich besonders, wenn es passiert?
  • Welche Wünsche haben Sie an Ihren Job und Ihre Tätigkeiten als Führungskraft?
  • Womit haben Sie Schwierigkeiten? Was nervt Sie am meisten?
  • Welche Lernfelder gibt es?
  • In welchen Bereichen benötigen Sie die meiste Klarheit?
  • Welche Dinge machen Spass? Macht Führung überhaupt Spass
  • Was brauchen Sie, um langfristig gesund zu bleiben?
  • Welche Spielräume sehen Sie für sich, welche Gestaltungsmöglichkeiten?

Authentizität bewahren: Tipps für Führungskräfte

Wenn wir Authentizität als Führungsinstrument verstehen, dann lohnt es sich, ganz genau auf unsere ganz persönliche Art, unsere Werte, unsere Potenziale und unser Wachstum zu schauen. Authentisch führen gibt uns die Sicherheit, dass wir uns nicht zu sehr verbiegen und dadurch krank werden. Denn leider führen Leistungsdruck und ständige (faule) Kompromisse dazu, dass Führungskräfte verheizt werden.

Daher noch einmal zurück zur Klarheit: Als Führungskraft sollten wir authentisch bleiben – und keine Wundertüte. Bedeutet: Wo Gerd Paulus draufsteht, ist auch Gerd Paulus drin.

Meine Empfehlungen für junge, nein eigentlich für alle Führungskräfte:

  • Seien Sie Sie selbst.
  • Bleiben Sie stets bei sich.
  • Bleiben Sie gesund (das geht auch bei leidenschaftlichem Einsatz).
  • Optimieren Sie Ihre Arbeit innerhalb Ihres persönlichen Korridors durch Erfahrungen, Tools, Mentoren und Coaches.

Wie kann ich als Führungskraft auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren, ohne meine Authentizität zu verlieren und mich aufzureiben?

  • Regel Nr. 1: Nicht jeden Firlefanz mitmachen.
  • Regel Nr. 2: Definieren, was verhandelbar ist und was nicht.
  • Regel Nr. 3: Die eigene Vergangenheit reflektieren.
  • Regel Nr. 4: Offen und neugierig sein für sinnvolle Adaptionen in Führung, HR und Organisation.
  • Regel Nr. 5: Daran glauben – auf jeden Topf passt ein Deckel.
  • Regel Nr. 6: Mal in die QM-Ziele der Firma schauen.

Die Regeln in der konkreten Anwendung – meine Learnings:

  • 80/20 Regel konsequent anwenden.
  • Ich warte geduldig auf den Lucky Strike.
  • Klarheit und Transparenz auch in Konfliktsituationen.
  • Ich bin nicht zuständig für persönliches Konsumverhalten anderer.
  • Ich adaptiere mein Führungsverhalten, um die Motivation zu steigern.
  • Lieber zwei hochmotivierte als vier halbmotivierte Mitarbeiter.
  • Teilzeit und mobiles Arbeiten sind mega effizient.
  • „Nein“ sagen dient dem Stressabbau.

Wenn Sie ein Führungs-Thema haben, das schmerzt: Treten Sie mit mir in Kontakt. Ich kann nicht nur aus 30 Jahren Führungserfahrung schöpfen, sondern verstehe auch die menschliche Seite an den Problemen.

Denken Sie immer daran: Je stabiler Sie sind, desto besser geht es Ihnen.

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